Falscher Bekenner

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Falscher Bekenner

Ein Film von Christoph Hochhäusler

Zum Film

Es ist Nacht, die Autobahn leer. Armin ist allein unterwegs, zu Fuß, immer an der Leitplanke entlang. Ein Jaguar, zerschellt an einem Brückenpfeiler, das Gesicht des Fahrers leblos. Was Armin bewegt, eines der Trümmerteile an sich zu nehmen, weiß er nicht.

Jeden Tag eine Bewerbung, das haben seine Eltern mit ihm ausgemacht, seit er die Mittlere Reife in der Tasche hat. Armin weiß nicht recht, was er werden will. Das Jugendzimmer bei den Eltern, das familäre Wohlwollen, die Brüder, die ihren Weg längst gemacht haben – all das scheint Armin zu bedrängen und zu lähmen. Nun sitzt er an seinem Schreibtisch, die Spurstange, das Relikt der letzten Nacht, vor sich. Aus dem Bewerbungsschreiben wird ein Bekennerbrief: ‚Dieser Unfall war mein Werk...‘.

Im Bus Katja, die hübsche, unerreichbare Nachbarstochter. Armin steigt aus. Die Presse berichtet über den Unfalltoten, einen Bankier. Der Brief des Bekenners wird geprüft, man nimmt ihn ernst.

Wieder ist es dunkel, der Verkehr rauscht in der Ferne vorbei. Armin in einer Toilette an der Autobahn, sehnsüchtige, obszöne Sprüche auf abwaschbaren Fliesen, er in einer Gruppe von Männern auf schweren Maschinen, die wilde, nächtliche, berauschende Fahrt.

Armin absolviert seine Bewerbungsgespräche. Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Sind Sie ein Teamplayer? Was interessiert Sie am Beruf des Reisekaufmanns? Es geht nicht recht voran. Den nächsten Bekennerbrief schreibt Armin nach einem Brand in der Innenstadt. Die Zeitungen berichten groß. Langsam wird deutlich, dass hier ein falscher Bekenner am Werk ist. Was er denn so mache, fragt Katja beim Pommes-Essen. Das willst du lieber nicht wissen, sagt Armin. Und lächelt.

Mit einem ebenso aufmerksamen wie liebevollen Blick für die Rituale familiärer Bande erzählt Christoph Hochhäusler vom Versuch einer Selbstfindung, in dem Wirklichkeit und Vorstellung sich immer mehr verwirren. Präzise, in wunderbar komponierten Bildern (Kamera: Bernhard Keller) und mit spürbarer Freude am Absurden im Normalen erkundet Falscher Bekenner die zugleich fremd und vertraut erscheinende Welt bundesdeutscher Vorstädte. Hochhäuslers Charaktere haben Nöte, Geheimnisse, Sehnsüchte wie alle Menschen. Doch mit den Sinnfragen, die sich ihnen heute stellen, sah sich bislang keine Generation in ihrer Jugend konfrontiert.

Falscher Bekenner

Mit Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, Nora von Waldstätten, Devid Striesow, Florian Panzner, Thomas Dannemann, Laura Tonke, Dennis Prinz, Martin Kiefer u.v.a.

Buch & Regie: Christoph Hochhäusler, Kamera: Bernhard Keller, Schnitt: Stefan Stabenow, Szenenbild: Beatrice Schultz, Kostüm: Susanne Sasserath, Musik: Benedikt Wolfgang Schiefer, Ton: Wolfgang Vogl, Casting: Ulrike Müller, Produzentin: Bettina Brokemper

Eine Produktion der Heimatfilm in Kooperation mit Pictorion Pictures, Embassy Of Dreams, Zentropa,

Pictorion Das Werk, Herold + Besser. Gefördert von der Filmstiftung NRW. Im Verleih der Piffl Medien.

Verleih gefördert von der Filmstiftung NRW und FFA

D 2005, 94 min, 35 mm, Cinemascope, Dolby Digital

Pressestimmen

„Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre! Eine bittere Komödie, sarkastisch an vielen, traurig an wenigen Stellen, immer angenehm desillusionierend... In ruhigen Einstellungen voller Beobachtungsfreude und illusionslos erzählt, hervorragend gecastet – vor allem Hauptdarsteller Constantin von Jascheroff, Devid Striesow, Manfred Zapatka und Viktoria von Trauttmansdorff – ist Falscher Bekenner das präzise Porträt aktueller Verhältnisse.“ Kölner Stadtanzeiger

„Wie Constantin von Jascheroff in der Titelrolle scheinbar mühelos diesen Film trägt, ist absolut fabelhaft – ebenso wie der überzeugende Rest des Ensembles mit Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff und Devid Striesow... Am Ende huscht Armin zum ersten Mal ein Lächeln über das Gesicht, das so anders ist als all das, was wir bisher von ihm sahen. Ein Ausdruck, unvergesslich.“ Märkische Allgemeine

„Hervorragend!“ Münchner Merkur

„Falscher Bekenner ragt heraus allein schon wegen seines genauen Blicks auf die westdeutsche Gutbürgerlichkeit. Gedreht auf einer hochauflösenden Videokamera im Cinemascope-Format, ist der Film aber noch viel mehr: ein gestochen scharfes Porträt eines jugendlichen Außenseiters.“ Der Tagesspiegel

„Die Erstarrung, Sprachlosigkeit und Selbstversunkenheit des Jungen legt sich stilistisch über den ganzen Film. Newcomer Constantin von Jascheroff agiert souverän minimalistisch, wirkt gekonnt verloren oder wie einer im falschen Film, wenn beim Kaffeekränzchen die ganze Familie zusammenkommt. Selten wurden die Rituale der Zusammengehörigkeit so ironisch gezeigt.“ Abendzeitung München

„Ein großartiger Film!“ BZ

„Constantin von Jascheroff ist ein Schauspieler, der die Verwandlung vom Nichtstuer in einen Täter traumwandlerisch sicher darstellt. Er rührt einen mit seinem noch kindlich nach innen gerichteten Blick, ebenso wie sein dünnes Lächeln am Ende der Tat gruselt... Hochhäusler erzählt die alte Geschichte der Jugend ohne Gott und gibt damit neue Rätsel auf.“ Die Welt

„Ein großartiger Film und eine der beklemmendsten Provinz-Geschichten des deutschen Kinos!“ Berliner Zeitung

„Ein dicht erzähltes, intimes Drama... Die schauspielerischen Meriten gebühren von Jascheroff, der den Film mühelos trägt und sowohl Armins Verwirrung und Ziellosigkeit als auch sein wachsendes Bedürfnis nach einem Befreiungsschlag auszudrücken vermag... Sein breites Lächeln am Ende des Films, ganz anders als jeder vorherige Ausdruck, ist unvergesslich.“ Variety

„Ähnlich magische Momente wie schon in seinem gefeierten Erstling Milchwald... Das etwas andere Kino aus Deutschland und gerade deshalb so wichtig.“ Stern.de

„Überaus geschickt, scheinbar immer schnurgerade auf das Klischee zusteuernd und es immer haarscharf verfehlend... Mit einem beeindruckend genauen Blick für familiäres Alltagsleben beschreibt Hochhäusler eine stille Rebellion.“ Der Spiegel

„Ein intensiver Identitätsthriller... Hochhäusler gewinnt seinem Thema so viele humorvolle Seiten ab, dass man Falscher Bekenner als zutiefst menschliche Komödie begreifen kann.“ Münchner Merkur

„Hochhäuslers Film überzeugt durch präzisen Realismus: kein falscher Ton in den Dialogen, jede kleine Geste stimmt... Beeindruckend!“ Dpa

„Die Frage nach einer Erneuerung des deutschen Films stellt sich seit einer ganzen Reihe von Filmen nicht mehr. Christoph Hochhäusler bestätigt mit Falscher Bekenner diese Renaissance, zu der er schon mit seinem Debüt Milchwald beigetragen hat. (..,) Das Interesse von Falscher Bekenner konzentriert sich ganz auf den roten Faden des „Vielleicht“. Die Ungewissheit bestimmt den Blick des jungen Helden Armin ebenso wie den des Zuschauers. Falscher Bekenner gelingt es, uns mehr zweifeln als glauben zu machen, uns mehr zu beunruhigen als zu besänftigen.“ Libération

„Mit hohem ästhetischen Eigensinn und einem wachen Gespür für gesellschaftliche Untertöne.“ Rheinischer Merkur

„Constantin von Jascheroff macht seine Sache so gut, als wäre er wirklich dieser Armin auf der Suche nach seiner selbst. Fassbinders ‚Ich will doch nur, dass ihr mich liebt’ wäre auch ein guter Titel für diesen Film gewesen. Es geht nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um die Selbstzweifel, in denen sich Armin verfängt wie in einer Schlinge.“ Programmkino.de

„Der Film zeigt die Verwirrung seines jugendlichen Helden mit einer bemerkenswerten Klarheit des Ausdrucks und bringt eine fast verzweifelte Komik mit der puren Beklemmung zusammen. Falscher Bekenner zeichnet, in einem blassen Licht, das beunruhigende Bild eines Deutschland, das seine Eignung zum Glück und zur Unbeschwertheit in Frage stellt.“ Le Monde

Regiestatement

Zur Entstehung

Am Anfang des Projekts stand der Wunsch von Regisseur Christoph Hochhäusler und der Produzentin Bettina Brokemper, die gerade ihre eigene Filmproduktion Heimatfilm gegründet hatte, einen gemeinsamen Film zu machen. Es sollte ein „schneller Film“ werden, der inhaltlich und ästhetisch keine Kompromisse eingeht. „Natürlich haben wir auf Sender und Fördergelder gehofft, aber wir wollten uns davon nicht abhängig machen“, sagt Bettina Brokemper. „Nach einigen Neins haben wir uns spontan entschlossen, den Film trotzdem zu machen, für ein Minimalbudget.“

Dann ging alles sehr schnell: 30 Tage Vorbereitung, 20 Tage drehen, zwei Monate schneiden. „Die ganze Produktion war sehr anstrengend, aber überraschend gut gelaunt. Das Team war unglaublich motiviert, die Schauspieler spielfreudig“, meint Christoph Hochhäusler. Ein besonderes Augenmerk galt der Besetzung, für die u.a. mit Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorf, Devid Striesow und Florian Panzner hervorragende Schauspieler gefunden wurden. „ Als wir Constantin von Jascheroff schließlich unseren Armin gefunden hatten, war ich unendlich erleichtert“, sagt Hochhäusler. „Er ist ein überragendes Talent, ein Geschenk für jeden Regisseur.“

Möglich wurde die Produktion durch Unterstützung und Beistellungen der Münchner Werbefilmproduktion Embassy of Dreams, Zentropa aus Dänemark und der Pictorion/Das Werk aus Düsseldorf. Trust Sales stieg als Weltvertrieb ein, nach Rohschnitt-Sichtung kam eine Postproduktionsförderung der Filmstiftung NRW hinzu. Falscher Bekenner wurde in der Reihe Un Certain Regard in Cannes 2005 uraufgeführt. Auf dem Filmfest München wurde Constantin von Jascheroff als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

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