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Pressestimmen

»Ein Kammerspiel der Leidenschaften unter freiem Himmel, ein beklemmendes Picknick am Ostseestrand, eine Scharade am Waldesrand, ein Showdown an der Steilküste am Meer – das sind manchmal fast Operationen am offenen Herzen wie bei Fassbinder, und dann ist es wieder reiner Petzold, wenn Nina Hoss verzweifelt den Namen ihres Geliebten in den dunklen Wald hineinruft und man nicht weiß, welcher der beiden Männer sich aus der Finsternis schälen wird.

Mit Jerichow ist Petzold eine faszinierende Fortschreibung seiner Filmografie gelungen, mit unnachahmlichem Blick auf Landschaftem vorgetragen, mit knappen Strichen skizzierte Lebenswelt und Arbeitsalltag – und wenn man Generationen später wissen will, wie es in diesem Land aussah, was die Menschen gemacht und wie sie gefühlt haben, dann wird man es hier finden.« (FAZ)

»Von Anfang an entwickeltJerichow einen fast physisch erfahrbaren Sog. Er entsteht durch Bilder, die in ihrer lichten Klatheit den deutschen Osten zeigen und doch die Abstraktionskraft einer großen Kinoerzählung besitzen. Und durch Schauspieler, deren Blicke und Körper den Dialogen immer einen Schritt voraus sind. Hilmi Sözer, der den Aufsteiger mit einer Mischung aus felsenhafter Selbstsicherheit und stiller Verzweiflung spielt. Nina Hoss, die zwischen Abgekämpftheit und schlampenhafter Härte schwankt. Benno Fürmann, dessen einsame Körperlichkeit manchmal kaum zu ertragen ist. All das verbindet sich in Jerichow zu einem Rhythmus, der so zwingend und obsessiv vordrängt, dass die eigentliche Obsession kaum erzählt werden muss. In diesem Film ist die Leidenschaft ein hastiger Kuss. Oder ein Biss in die Hand, von dem man nur die Spuren sieht. Hier wird der Wald zum nächtlichen Sehnsuchtsraum, in dem die Körper verschwinden und aus dem sie wie Phantome heraustreten. Grandios.« (Die Zeit)

»Petzold zeigt einmal mehr, wie phantastisch er mit Genreelementen und mit purer Emotion umgeht und am Ende doch von der Welt erzählt, in der wir leben. Meer ist Verheißung, das gilt sogar für die kühle Ostsee, an die Petzolds Helden einmal fahren – das ist der Moment, an dem sie glücklich sein sollten, wenn sie nur könnten. Zwei Männer, die sich näherkommen, dazwischen Alis Frau Laura, gespielt von Nina Hoss. Sie gibt Laura eine kalte Härte mit, die sich immer mehr als Selbstschutz entlarvt. Eine Postman-always-rings-twice-Veriante, in manchmal chabrolesken Bildern, in denen man in den Garten der Femme infidèle zurückzukehren scheint. Wie viel Mitleid, Fürsorge, Nähe – die immer eine Verantwortung birgt – ist noch vorstellbar, wenn alle ums Überleben kämpfen? Jerichow ist eine unendlich gegenwärtige Geschichte, die alle Zukunftsängste spiegelt, schleichende Veränderung, die Kälte, die aus Not entsteht.» (Süddeutsche Zeitung)