Lucy

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Lucy

Ein Film von Henner Winckler

Die 18jährige Maggy wartet, dass etwas geschieht. Etwas, das ihrem Leben einen Schub, ihrer unbestimmten Sehnsucht eine Richtung gibt. Sie wohnt bei ihrer Mutter – und ist selbst gerade Mutter der kleinen Lucy geworden. Seltsam unbestimmt verläuft ihr Leben seitdem, zwischen Teenager-Ritualen, Kinderbetreuung und der Unfähigkeit, sich die eigene Zukunft auszumalen.

Zum Film

Die 18jährige Maggy wartet, dass etwas geschieht. Etwas, das ihrem Leben einen Schub, ihrer unbestimmten Sehnsucht eine Richtung gibt. Sie wohnt bei ihrer Mutter – und ist selbst gerade Mutter der kleinen Lucy geworden. Seltsam unbestimmt verläuft ihr Leben seitdem, zwischen Teenager-Ritualen, Kinderbetreuung und der Unfähigkeit, sich die eigene Zukunft auszumalen.
Als Maggy den 25jährigen Gordon kennenlernt, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie zieht mit Lucy zu Gordon, ein kleiner Aufbruch, der Hauch eines Glücks. Ein Wunder geschieht nicht. Auch jetzt muss der Alltag organisiert und gelebt werden, brauchen die vagen Träume eine Form, um sich erfüllen zu können. Maggy beschleicht ein Gefühl der Leere, die Ahnung, dass das Glück flüchtig ist. Immer öfter bleibt Gordon fort von Zuhause. Maggy muss sich etwas einfallen lassen.

Pressestimmen

„Der Film, sagt Henner Winckler, endet mit einem Gefühl. Mit dem Gefühl, dass man jemanden kennen gelernt hat, dass man ein bisschen genauer weiß, wer sie ist. Das wird nicht ausgesprochen, aber gezeigt. – Vielleicht macht das die Stärke von Wincklers Filmen aus: dass er Dinge zeigt, die nur gespürt werden können. Einfach so.“ TAZ

„Intelligent und berührend, fast schmerzhaft wahrhaftig dank der authentischen Darstellerleistungen... Wie Virginie Ledoyen in A single girl ist Kim Schnitzer ein Naturtalent. Mit wenigen starken Gesten und Bewegungen gibt sie ihrer Figur Glaubwürdigkeit und Tiefe. Winckler und seine wunderbare Kamerafrau Christine A. Maier haben eine raue, instabile Textur und Körnung geschaffen, die perfekt die unsichere Stimmung der Protagonisten ausdrückt.“ SCREEN INTERNATIONAL

„Lucy ist ein Berlin-Film, aber beileibe nicht als groß angelegtes Porträt, sondern als Entwurf einer kleinen Welt zwischen Alexanderplatz, Landsberger Allee und Friedrichshain, ein mit großer Genauigkeit geschilderter Ort. Und dass man nicht viel sieht von der Stadt, heißt eben nicht, dass sie – wie in den Elementarteilchen – bloße Behauptung bliebe. Ein Blick vom Balkon, die Straßenbahn, der Brunnen am Alexanderplatz. Weil alles stimmt in der Mikrobeschreibung, ist es spürbar, unverkennbar Berlin.“ TAZ

Regiestatement

Interview mit Henner Winckler

Wie ist die Idee zu Ihrem Film entstanden?

Die Geschichte von Lucy ist nicht so handlungsorientiert, dass man einfach eine Idee hat und dann die Geschichte dazu herunterschreibt. Es gab zunächst eine grobe Vorstellung von der Figur der Maggy, der 18jährigen Mutter im Film. Dann habe ich zusammen mit meinem Co-Autor Stefan Kriekhaus Interviews mit einigen sehr jungen Müttern geführt.

Es gibt Fallen, in die man beim Schreiben fast automatisch tappt, weil einem oft als erstes das Klischee einer Situation einfällt. Solche Klischees haben wir im Lauf der Arbeit versucht zu erkennen und in andere Möglichkeiten aufzulösen. Lucy erzählt eine einfache Geschichte – deshalb muss man bei dem relativ Wenigen, das passiert, besonders aufpassen, Klischees zu vermeiden. Wobei ich finde, dass ein Großteil der Klischees erst während des Drehs vermieden wird, durch das Spiel oder die Ausstattung. Ich mag zum Beispiel, dass Gordons Wohnung nicht wie eine versiffte Kifferbude, sondern ziemlich ordentlich aussieht. Gleichzeitig wird nie richtig aufgeklärt, wo die Dinge, die er verkauft, eigentlich herkommen – er könnte auch kriminell sein. Die Charaktere sind auf diese Weise nicht eindeutig festgelegt.

Auch in Ihrem Debüt Klassenfahrt sind die Protagonisten junge Erwachsene. Ist diese Altersgruppe besonders interessant für Sie?

Der Film ist fast so etwas wie die Fortsetzung von Klassenfahrt. Drei der Figuren – Sophie Kempe als Freundin von Maggy, Jakob Panzek als Kumpel von Gordon und natürlich Gordon selbst – tauchen jetzt in Lucy wieder auf. Für die Geschichte ist es natürlich grundlegend, dass Maggy sehr jung ist. Sie hat Wünsche wie viele 18jährige Mädchen, aber durch ihr Kind lassen sich diese nicht mehr so einfach verwirklichen. Ich wollte eine Figur, die wie ein Teenager lebt, dann in eine feste Beziehung gerät und schließlich wieder allein dasteht. Bei Erwachsenen zieht sich so ein Ablauf meistens über Jahre hin, bei einer Achtzehnjährigen lässt er sich auch anhand eines einzigen Monats erzählen.

Wie arbeiten Sie mit den jungen Darstellern, die über wenig Dreherfahrung verfügen?

Das kommt auf die Situation an. Natürlich habe ich klare Vorstellungen, wie die Schauspieler spielen sollen, auch für die Art, wie sie zum Beispiel etwas nicht sagen. Manchmal frage ich die Schauspieler, ob sie selbst bestimmte Sätze aus dem Drehbuch so sagen würden. Oder ich lasse sie spielen und schaue einfach zu, und wenn es mir nicht gefällt, ändern wir es gemeinsam. Allerdings versuche ich, lange Diskussionen zu vermeiden, und die letzte Entscheidung liegt natürlich bei mir.

Bei Klassenfahrt haben wir viel improvisiert oder die Darsteller mit etwas überrascht, was sie vorher nicht ahnten, zum Beispiel mit unerwarteten Figuren, die plötzlich in eine Szene hineinplatzen. Das haben wir dieses Mal nicht gemacht. Manchmal, wenn mir ein Dialog zu auswendig gelernt vorkam, habe ich die Schauspieler gebeten, den Dialog zu ändern, etwas anderes zu sagen als vorher, um das aufzubrechen. Ich mag es gerne, wenn sich beim Drehen noch Sachen verändern und die Schauspieler wirklich zuhören müssen, was ihr Gegenüber sagt. Man spürt das im fertigen Film.


Wie haben Sie Ihre Darsteller gefunden, vor allem die Jugendlichen?

Das Casting, bei dem ich mit Ulrike Müller zusammengearbeitet habe, war ein sehr langer und aufwendiger Prozess. Dazu gab es ein längeres Straßencasting, bei dem noch einige andere geholfen haben. Von Kim Schnitzer hatte mir Ulrike ein Tape gezeigt. Kim hatte bis dahin in drei Kurzfilmen mitgespielt, z.B. in Anfänger von Nicolas Wackerbarth, wo ich sie sehr überzeugend fand. Es gab etliche Castingtermine, an denen wir Dialoge und Improvisationen geprobt haben, um zu schauen, was sie aus der Rolle macht und wie ernst sie es meint.

Gordon Schmidt kannte ich von Klassenfahrt. Ich wusste, dass er viel Talent hat und zuverlässig ist. Wichtig war zu sehen, ob die beiden zusammen passen, ob sie sich verstehen. Feo Aladag schließlich ist nicht nur eine gute Schauspielerin, sondern selbst Autorin und Regisseurin. Sie war ebenfalls ein Tip von Ulrike Müller.

Ist die Rolle des Gordon explizit für Gordon Schmidt geschrieben?

Als ich das Drehbuch mit Stefan Kriekhaus geschrieben habe, haben wir die Figur Gordon genannt, um uns jemanden vorstellen zu können. Aber es war nicht klar, dass Gordon Schmidt das auch spielen würde. Wir haben ihn am Ende genauso gecastet wie die anderen auch. Er war einfach sehr souverän, und ich fand es immer toll ihm zuzuschauen. Am Ende haben wir den Rollennamen dann so gelassen, weil wir uns daran gewöhnt hatten und es Gordon nicht gestört hat.

Warum haben Sie sich entschieden, auf eine forcierte Dramatisierung der Geschichte und die Ausleuchtung der Vorgeschichten zu verzichten, die die Figuren haben?

Die ganze Geschichte wird eher so erzählt, wie ein neutraler Betrachter sie wahrnehmen würde. Wenn man viel Hintergrund hat, dann erzählt man eine Geschichte viel erklärender. Mir entspricht es eher, mir ein Stück herauszunehmen, bei dem man sich das Davor und das Danach denken kann. Ich glaube auch, dass man immer Gefahr läuft, zu vereinfachen oder in Klischees abzurutschen, wenn man zu viel erklärt.

Wir wollten nicht das ganz große Drama machen, sondern uns über das kleine ans große Thema heran erzählen. Maggys Freund sollte deswegen kein Krimineller sein, das Kind sollte am Ende nicht sterben. Die Geschichte selbst ist dramatisch genug. Gerade Maggy finde ich in vielen Momenten sehr emotional, z.B. als sie die Entscheidung trifft, Lucy dauerhaft bei ihrer Mutter zu lassen, wobei selbst nicht ganz an das glaubt, was sie da sagt. Sobald sie Gordon trifft, relativiert sie ja die Endgültigkeit ihrer Entscheidung und sagt „Die bleibt jetzt erst mal dort...“

Natürlich hängt Maggy wegen Lucy viel Zuhause herum. Aber sie hat Ziele, an denen sie arbeitet. Sie lernt Gordon näher kennen, wie sie es sich vorgenommen hat, sie zieht bei ihrer Mutter aus und versucht, ein Erwachsenenleben zu leben. Sie will es besser machen als ihre Mutter. Aber sie hat kein eigenes Ideal und greift zurück auf Vorstellungen von Familie, die sie vielleicht eher aus dem Fernsehen kennt.


Suchen Ihre Figuren nach dem Glück?

Vor allem Maggy sucht, und es gibt immer wieder glückliche Momente für sie und Gordon, beim Eisessen, beim Kauf der Waschmaschine, beim Grillen auf dem Balkon. Das sind aber auch Situationen, von denen sie glauben, dass sie damit glücklich werden müssten. Zum Teil sind sie es, zum Teil spielen sie da eben auch Erwachsensein. In diesem Spiel sind sie kurz glücklich, dann aber ist das Spiel vorbei. Das Glück hält nicht an. Dafür gibt es einige äußere Faktoren, für die Maggy nichts kann. Gordon zum Beispiel verschwindet öfter, als sie sich das vorgestellt hat. Es gibt aber auch ein Gefühl der Leere, das mit ihr zu tun hat, und die Erkenntnis, dass Glück flüchtig ist.

Gordon und Maggy erklären an einer Stelle, dass sie sich das Leben „relaxter“ vorgestellt hätten. Drückt sich darin eine allgemeine Scheu vor der Verantwortung aus?

Ich finde, es geht vor allem darum, dass beide ihre Vorstellungen, wie ihr Leben aussehen soll, nicht richtig artikulieren können, dass sie nur eine vage Vorstellung davon haben. Es tauchen immer wieder Versatzstücke bekannter Rollenspiele auf, denen sie nicht wirklich etwas Eigenständiges entgegenzusetzen haben. Wenn Maggy ihr Kind wickelt, will sich das richtige Gefühl zu dieser Tätigkeit irgendwie nicht einstellen. Sie liebt ihre Tochter, aber gleichzeitig nimmt sie sie wie einen Fremdkörper wahr, für den sie noch kein Gefühl hat.

Gerade in den Konfliktsituationen scheint viel Sprachlosigkeit auf...

Es geht um Figuren, die nicht viel miteinander sprechen, wobei es eben auch Momente gibt, in denen sehr viel geredet wird, in der Bar-Szene gegen Ende zum Beispiel. Ich denke, es ist wichtig, dass die Art, wie die Figuren miteinander sprechen, etwas Grundsätzliches über die Beziehungen erzählt, statt nur Informationen zu vermitteln.

Mit welchen filmischen Mitteln wollten Sie ‚Lucy‘ erzählen?

Klassenfahrt spielte am Meer, das für sich schon eine starke metaphorische Wirkung hat. Außerdem fanden wir die Räume, in denen der Film spielt, einfach vor. Lucy dagegen spielt in Räumen, die fast alle ausgestattet werden mussten. Wir haben deshalb exakter aufgelöst und ein präzises Licht- und Bildkonzept erstellt.

Um die Orte zu finden, haben wir im Vorfeld zusammen mit der Kamerafrau Christine A. Maier und der Szenenbildnerin Reinhild Blaschke viel fotografiert und Videoaufnahmen von Orten gemacht, die uns interessiert haben. Zum Teil haben wir die Szenen an diesen Orten durchgespielt und uns selbst dabei gefilmt. Wichtig war uns, dass am Ende ein zusammenpassendes Ganzes dabei herauskommt und die Orte den Stimmungen der Protagonisten entweder entsprechen oder ihnen etwas entgegensetzen.


Warum haben Sie auf den Einsatz von Musik aus dem Off verzichtet?

Das hat mit der grundsätzlichen Haltung zu tun, mit der ich erzähle. Ich gebe dem Zuschauer die Freiheit zu interpretieren. Ich will nicht sagen: Jetzt musst du Angst haben, oder: Ist doch herrlich, dass sich die beiden jetzt gefunden haben.

Ich persönlich mag es als Zuschauer lieber, selbst ein Verhältnis zu einer Figur aufbauen zu können, ohne vom Autor zu einer Emotion gedrängt zu werden.

Wie sehr kann Film heute noch so etwas wie Wirklichkeit darstellen?

Mir geht es nicht in erster Linie darum, Wirklichkeit darzustellen. Ich will eine Geschichte erzählen, bei der ich auf Sachen und Situationen zurückgreife, die ich aus dem Leben kenne, nicht nur aus Filmen. Aber ich mag es auch, wenn eine Wohnung im Film aussieht wie eine echte Wohnung. Dieser Aspekt betrifft auch stark die Arbeit mit den Schauspielern. Es beeindruckt mich immer, wenn Schauspieler einen Text genau so sagen, wie sie „Hallo“ sagen, wenn sie jetzt zur Tür hereinkommen. Im Endeffekt ist es dann doch wieder ein Realismusanspruch.

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